Tiffany & Co. ist vor allem als Schmuckhaus bekannt, doch die Geschichte der Marke mit Uhren reicht weit zurück. Bereits 1847 begann Charles Lewis Tiffany damit, Uhren anzubieten. Später entstanden eigene Uhrmacheraktivitäten in Genf, und über Jahrzehnte entwickelte sich eine eigenständige Verbindung aus Schmuckdesign und Schweizer Uhrmacherei.
2026 greift Tiffany diese Tradition nun mit dem Tiffany Timer erneut sichtbar auf.
Limitierung statt Volumen
Der neue Chronograph ist bewusst kein Massenprodukt. Laut offizieller Tiffany-Mitteilung ist die Edition auf 60 Exemplare limitiert. Damit liegt die Stückzahl sogar noch niedriger als die kursierenden Angaben von 100 Stück.
Das Modell erinnert an den historischen Tiffany Timer von 1866 und verbindet diese Geschichte mit einem modernen High-End-Auftritt. Charakteristisch sind ein Tiffany-Blue-Zifferblatt, Diamant-Stundenindizes und ein Platingehäuse.
Für Tiffany geht es damit weniger um Stückzahlen als um Positionierung: Uhren sollen innerhalb der Marke wieder als ernstzunehmende Kategorie wahrgenommen werden.
Zenith liefert das technische Fundament
Besonders interessant ist das Werk.
Im Tiffany Timer arbeitet ein speziell angepasstes El Primero 400 von Zenith. Das 1969 vorgestellte Kaliber gehört zu den bekanntesten automatischen Chronographenwerken der Uhrengeschichte und arbeitet mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde.
Tiffany erhält dabei keine Standardversion. Das Werk wurde exklusiv angepasst und unter anderem mit einer Miniatur des bekannten „Bird on a Rock“ versehen.
Genau hier zeigt sich die Stärke von LVMH.
LVMH kann intern Kompetenzen bündeln
Tiffany & Co. und Zenith gehören beide zur Watches-&-Jewelry-Sparte von LVMH. Der Konzern kann damit Kompetenzen aus Schmuck und Uhrmacherei gezielt kombinieren. Tiffany bringt Marke, Design und High-Jewellery-Kompetenz ein, Zenith liefert technische Substanz.
Für den Fachhandel ist das strategisch interessant: Tiffany muss nicht erst über Jahre ein eigenes Chronographenwerk entwickeln, um im oberen Uhrensegment glaubwürdig aufzutreten.
Stattdessen kann LVMH vorhandenes Know-how aus der Gruppe nutzen und daraus ein exklusives Produkt schaffen.
Der Vergleich mit Rolex liegt nahe
Gerade das El Primero besitzt eine besondere historische Bedeutung.
Rolex griff für die erste automatische Daytona 1988 auf ein externes Chronographenwerk zurück und modifizierte dieses umfassend für das eigene Kaliber 4030. Rolex selbst bestätigt, dass damals ein hochwertiges, am Markt verfügbares Chronographenwerk als Basis verwendet wurde; historische Quellen identifizieren dieses Werk als Zenith El Primero. Mehr als 50 Prozent der Komponenten wurden von Rolex angepasst oder ersetzt.
Erst ab 2000 wechselte Rolex bei der Daytona auf ein vollständig selbst entwickeltes Chronographenkaliber.
Damit besitzt das El Primero eine Historie, die weit über Zenith selbst hinausgeht.
Tiffany will im Uhrensegment mehr sein als Schmuck mit Zeigern
Der Tiffany Timer ist Teil einer größeren Entwicklung.
LVMH positioniert Tiffany inzwischen deutlich sichtbarer im Uhrensegment. Bei der LVMH Watch Week 2026 präsentierte die Marke mehrere neue Modelle und sprach selbst von einer Erweiterung des eigenen Watchmaking Universe.
Dazu passen auch weitere Projekte wie der Bird on a Flying Tourbillon oder die neuen High-Jewellery-Watches. Tiffany bewegt sich damit Schritt für Schritt vom klassischen Schmuckhaus mit Uhrenangebot hin zu einer Maison, die technische Uhrmacherei stärker in die eigene Markenwelt integriert.
Wenige Stücke, starke Botschaft
Mit 60 Exemplaren wird der Tiffany Timer keine relevanten Volumina erzeugen.
Genau das ist aber auch nicht das Ziel.
Die Edition dient vor allem als Signal: Tiffany kann Schmuckkompetenz mit ernstzunehmender Uhrmacherei verbinden. Und LVMH besitzt innerhalb des eigenen Portfolios die Möglichkeit, dafür einen der renommiertesten Chronographenhersteller der Branche einzubinden.
Der Tiffany Timer zeigt damit weniger, wie viele Uhren Tiffany verkaufen will – sondern vielmehr, wie hochwertig die Marke künftig im Uhrensegment wahrgenommen werden möchte.

