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Galeria Neu: Ohne neues Geschäftsmodell geht es nicht

Nach der inzwischen vierten Insolvenz innerhalb von sechs Jahren steht Galeria erneut vor der Frage, wie eine tragfähige Zukunft aussehen kann. Roland Berger sucht nach neuen Investoren. Doch Kapital allein dürfte diesmal nicht reichen. Gefragt ist ein Eigentümer, der bereit ist, das Geschäftsmodell grundlegend umzubauen – von Flächen und Sortimenten über Markenpartnerschaften bis hin zu Daten, Services und Governance. Für Schmuck- und Uhrenanbieter ist entscheidend, welche Rolle sie in einem „Galeria Neu“ künftig spielen könnten.

Von Jessica Farthofer

 Galeria Neu: Ohne neues Geschäftsmodell geht es nicht
© shutterstock.com
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Galeria befindet sich erneut an einem Wendepunkt. Nach mehreren Restrukturierungen, Eigentümerwechseln und Insolvenzverfahren ist offensichtlich geworden, dass eine weitere Neuauflage des bisherigen Warenhausmodells kaum ausreichen dürfte.

Roland Berger ist mit der Suche nach neuen Investoren beauftragt. Doch die entscheidende Frage lautet diesmal nicht nur: Wer bringt genügend Geld mit?

Sondern: Wer ist bereit, Galeria tatsächlich neu zu erfinden?

KAPITAL ALLEIN REICHT NICHT

Ein neuer Eigentümer müsste zunächst über erhebliche finanzielle Ressourcen verfügen. Dabei geht es nicht nur um einen möglichen Kaufpreis.

Viele Häuser benötigen Investitionen, die Transformation des Geschäftsmodells kostet Geld und auch das laufende Working Capital muss abgesichert werden. Der tatsächliche Kapitalbedarf könnte nach Einschätzung aus dem Markt langfristig sogar im Milliardenbereich liegen.

Entscheidend wäre deshalb ein Investor mit langem Atem – und nicht eine Finanzierung, die durch hohe Fremdkapitalkosten bereits den nächsten Restrukturierungsdruck erzeugt.

GALERIA BRAUCHT WIEDER ECHTE HANDELSKOMPETENZ

Ein Warenhaus lässt sich nicht allein über Finanzkennzahlen führen. Sortiment, Einkauf, Category Management, Preisgestaltung, Bestände, Warenumschlag und Flächenproduktivität sind operative Handelsdisziplinen. Genau hier müsste ein künftiger Eigentümer deutlich stärker ansetzen.

Für Schmuck- und Uhrenanbieter ist das besonders relevant. Denn hochwertige Sortimente brauchen eine klare Positionierung, kompetente Beratung und eine Fläche, die Marken nicht nur abbildet, sondern tatsächlich verkauft.

DAS WARENHAUS 2030 MUSS ANDERS AUSSEHEN

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, wie sich das bestehende Galeria-Modell noch einmal effizienter machen lässt.

Viel wichtiger ist: Wie muss ein Warenhaus im Jahr 2030 funktionieren?

Kleinere und produktivere Flächen könnten ebenso Teil der Antwort sein wie stärkere regionale Unterschiede. Nicht jedes Haus muss dasselbe Sortiment führen.

Hinzu kommen Concession-Modelle und Shop-in-Shop-Flächen, Services, Gastronomie, Erlebnisangebote und stärkere Markenpartnerschaften.

Galeria könnte damit künftig weniger klassischer Eigenhändler und stärker Plattform für Marken, Services und Kundenerlebnissewerden.

CHANCE FÜR SCHMUCK UND UHREN?

Gerade für die Schmuck- und Uhrenbranche könnte ein solches Modell interessant werden. Statt großer, austauschbarer Abteilungen könnten kuratierte Markenwelten entstehen. Hersteller könnten eigene Flächen stärker mitgestalten, während Galeria Frequenz, Standort und Infrastruktur bereitstellt.

Für etablierte Schmuck- und Uhrenhäuser wäre das eine Möglichkeit, zusätzliche Kundengruppen zu erreichen, ohne zwingend eine eigene Boutique eröffnen zu müssen.

Voraussetzung wäre allerdings, dass Galeria attraktive Rahmenbedingungen schafft und die Marken nicht lediglich als Flächenfüller betrachtet.

83 HÄUSER BEDEUTEN 83 ENTSCHEIDUNGEN

Auch das Immobilienportfolio muss individuell bewertet werden. 83 Häuser sind letztlich 83 eigene Business Cases. Mietniveau, Verkaufsfläche, Standortqualität, Untervermietung und alternative Nutzungsmöglichkeiten unterscheiden sich erheblich.

Ein tragfähiges Konzept wird deshalb kaum darin bestehen können, jedes Haus unverändert weiterzuführen.

Einige Standorte könnten verkleinert werden, andere stärker auf Mixed Use setzen. Und wo ein wirtschaftlicher Betrieb langfristig nicht möglich ist, müsste ein neuer Eigentümer auch die Konsequenz besitzen, Flächen aufzugeben.

DIGITAL SOLL DEN STORE BESSER MACHEN

Galeria muss dabei nicht versuchen, ein zweites Amazon oder Zalando zu werden. Die größere Chance liegt darin, digitale Werkzeuge gezielt für den stationären Handel zu nutzen.

CRM, Loyalty-Programme, Apps, Retail Media, lokale Warenverfügbarkeit, Click & Collect und datenbasiertes Category Management könnten dafür sorgen, Kunden besser zu verstehen und bestehende Verkaufsflächen produktiver zu machen.

Gerade bei Schmuck und Uhren könnte eine bessere Verzahnung aus digitaler Inspiration und persönlicher Beratung vor Ort eine Stärke des Warenhauses werden.

VERTRAUEN MUSS ZURÜCKKOMMEN

Nach Jahren permanenter Krisen ist auch die Führungsfrage zentral. Galeria braucht klare Verantwortlichkeiten, ein handelserfahrenes Management und wenige, aber konsequent gesteuerte Kennzahlen.

Mindestens genauso wichtig ist jedoch das Vertrauen von Mitarbeitenden, Lieferanten, Markenpartnern und Vermietern. Ohne dieses Vertrauen wird auch ein neues Konzept schwer umzusetzen sein.

VIELLEICHT BRAUCHT ES MEHR ALS EINEN INVESTOR

Das ideale Investorenprofil müsste deshalb viele Kompetenzen gleichzeitig vereinen: Kapital, Handelswissen, Managementerfahrung, Immobilienkompetenz, Technologie und langfristiges Commitment. Das muss nicht zwingend aus einer Hand kommen.

Ein Konsortium könnte sogar sinnvoller sein, wenn Kapitalgeber, Retail-Spezialisten und Immobilienexperten ihre Kompetenzen gezielt zusammenführen.

GALERIA NEU STATT GALERIA RELOADED

Der wichtigste Punkt bleibt: Galeria braucht nicht einfach einen Investor, der das bestehende Warenhaus noch einmal finanziert. Es braucht einen Eigentümer, der bereit ist, das Konzept grundsätzlich neu zu denken.

Weniger Fläche, mehr Produktivität. Weniger Austauschbarkeit, mehr lokale Relevanz. Weniger klassischer Eigenhandel, mehr Plattform. Und vor allem: ein Geschäftsmodell, das Marken, Kunden und Standorte wieder zusammenbringt.

Für die Schmuck- und Uhrenbranche könnte genau darin eine Chance liegen. Denn wenn Galeria tatsächlich neu erfunden wird, könnte das Warenhaus wieder zu einer relevanten Bühne für Marken und Fachsortimente werden.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr: Kann das alte Galeria gerettet werden? Sondern: Kann aus Galeria endlich etwas Neues entstehen?

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