Ein kleines Schmuckstück am oberen Ohrrand, ein Stecker direkt vor dem Gehörgang oder ein Piercing, das beinahe unsichtbar befestigt scheint: Hinter diesen Varianten stecken unterschiedliche Techniken und anatomische Besonderheiten. Die Namen klingen manchmal komplizierter, als sie sind. Wer die wichtigsten Begriffe kennt, kann Piercing-Fotos besser einordnen und bei der Beratung genauer beschreiben, welche Position gemeint ist.

Hidden Helix: Wo versteckt sich das Piercing?
Der Name verrät bereits die Besonderheit: Hidden bedeutet versteckt. Beim Hidden Helix liegt der Ansatz des Schmucks unter einer Falte am oberen Ohrrand. Von vorne kann dadurch der Eindruck entstehen, dass ein Schmuckelement beinahe frei unter der Ohrkante schwebt.
Anders als bei einem gewöhnlichen Helix ist die Position so gewählt, dass ein Teil der Befestigung verdeckt bleibt. Dafür muss die obere Knorpelfalte ausreichend ausgeprägt sein. Ist sie zu flach, lässt sich der gewünschte Effekt möglicherweise nicht erzielen.
Mid Helix: Was bedeutet eigentlich „Mid“?
Während viele beim Helix zunächst an den oberen Ohrrand denken, sitzt der Mid Helix weiter unten. Das englische Wort Mid steht für Mitte und beschreibt die Position am mittleren Abschnitt der äußeren Ohrkante.
Die Bezeichnung hilft vor allem dabei, den Mid Helix von höher gelegenen Varianten und vom Lobe-Piercing im weichen Ohrläppchen zu unterscheiden.
Interessant ist die anatomische Grenze: Der Mid Helix liegt bereits im Knorpelgewebe. Obwohl er optisch nahe am Ohrläppchen sitzen kann, ist er daher kein gewöhnliches Ohrloch.
Vertical Helix: Hier entscheidet die Richtung
Beim Vertical Helix geht es weniger um eine völlig andere Stelle als vielmehr um den Verlauf des Stichkanals.
Bei einem klassischen Helix verläuft dieser üblicherweise durch den äußeren Knorpelrand. Beim Vertical Helix wird der obere Ohrrand dagegen in vertikaler Richtung durchstochen.
Dadurch kann der Schmuck oberhalb der Ohrkante sichtbar werden. Entscheidend ist, ob die Knorpelform genügend Platz für einen geeigneten Stichkanal bietet. Auch Druck durch Haare, Kopfbedeckungen oder andere äußere Einflüsse muss bei dieser Position berücksichtigt werden.
Surface Tragus: Ein Name, zwei wichtige Unterschiede
Der Begriff Surface Tragus sorgt besonders häufig für Verwechslungen. Der Tragus ist der kleine Knorpelvorsprung unmittelbar vor dem Gehörgang. Ein klassisches Tragus-Piercing führt durch diesen Knorpel.
Ein Surface Tragus ist dagegen ein Oberflächenpiercing im Bereich neben dem Tragus. Der Schmuck verläuft unter der Haut und tritt an zwei Stellen wieder hervor. Dafür werden spezielle Schmuckformen verwendet.
Anders als gewöhnliche Knorpelpiercings haben Oberflächenpiercings ein erhöhtes Risiko, mit der Zeit herauszuwachsen oder vom Körper abgestoßen zu werden. Diese Variante gehört daher ausschließlich in die Hände entsprechend erfahrener Piercing-Profis.
Piercing-Namen sind keine Garantie
Ein bestimmter Name sagt noch nicht alles über ein Piercing aus. Selbst bei identischer Bezeichnung können Position, Winkel und Schmuckwahl unterschiedlich ausfallen. Hinzu kommt, dass Begriffe in sozialen Medien und bei Schmuckanbietern nicht immer einheitlich verwendet werden.
Vor allem bei ausgefallenen Varianten lohnt sich deshalb die genaue Nachfrage: Wo verläuft der Stichkanal? Welches Gewebe wird durchstochen? Und welche Schmuckform ist für die erste Heilungsphase geeignet?
Nicht jeder Juwelier, der Ohrlochstechen oder Piercing anbietet, führt automatisch sämtliche Knorpel- und Oberflächenpiercings durch. Der konkrete Leistungsumfang und die fachliche Qualifikation sollten vorab geklärt werden.
Denn so unterschiedlich die Namen auch klingen: Entscheidend sind am Ende eine fachgerechte Platzierung, geeigneter Erstschmuck und eine professionelle Durchführung.

