Trotz schwacher Konsumstimmung zeigt sich das Weihnachtsgeschäft robuster als erwartet. Eine vom Handelsverband Deutschland (HDE) beauftragte Verbraucherumfrage mit mehr als 2.000 Personen kommt zu dem Ergebnis, dass die Deutschen durchschnittlich 262 Euro für Weihnachtsgeschenke einplanen.
2025 waren es 263 Euro. Damit sinkt das Budget lediglich um einen Euro. Mehr als die Hälfte der Befragten will ungefähr genauso viel ausgeben wie im Vorjahr. Zehn Prozent planen höhere Ausgaben, 24 Prozent wollen ihr Budget reduzieren.
Stabiles Budget trotz gedämpfter Stimmung
Die Zahlen sind bemerkenswert, weil die allgemeine Konsumstimmung weiterhin verhalten ist. Der HDE verweist auf steigende Sparneigung und eine Kauflaune, die unter dem Vorjahresniveau liegt.
Weihnachten scheint jedoch eine Sonderstellung einzunehmen. HDE-Präsident Alexander von Preen sieht darin ein Zeichen, dass Verbraucher auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten am Schenken festhalten.
Für Juweliere ist genau diese Diskrepanz relevant: Kunden sind vorsichtiger, wollen auf Geschenke aber nicht vollständig verzichten.
129,2 Milliarden Euro Umsatz, aber skeptische Händler
Der HDE erwartet für November und Dezember im deutschen Einzelhandel einen Umsatz von 129,2 Milliarden Euro. Das entspricht nominal einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders stark soll sich der Onlinehandel entwickeln. Hier prognostiziert der Verband ein nominales Wachstum von 4,1 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro. Der stationäre Handel steht damit weiter unter Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig bleibt das Weihnachtsgeschäft für viele Branchen die wichtigste Verkaufsphase des Jahres.
Die Stimmung auf Händlerseite fällt deutlich zurückhaltender aus. In einer HDE-Umfrage unter 300 Handelsunternehmen erwarten 56 Prozent der Unternehmen im Nicht-Lebensmittelhandel ein schlechteres oder deutlich schlechteres Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr. 29 Prozent glauben dagegen, dass sich Kunden auch in schwierigeren Zeiten die Freude am Weihnachtseinkauf nicht nehmen lassen.
Damit zeigt sich eine klare Lücke zwischen stabilem Geschenkebudget und der Erwartung vieler Händler.
Was das für Juweliere bedeutet
Für den Schmuck- und Uhrenhandel ist die Entwicklung grundsätzlich positiv: Das durchschnittliche Geschenkebudget bricht nicht ein. Allerdings dürfte der Kunde stärker abwägen, wofür er sein Geld ausgibt. Damit gewinnen klar verständliche Preisstufen und konkrete Geschenkideen an Bedeutung.
Besonders interessant sind Produkte, die emotional aufgeladen werden können und gleichzeitig in ein überschaubares Budget passen: Schmuck im mittleren Preisbereich, personalisierbare Stücke, Charms, Silber- und vergoldeter Schmuck oder Einstiegsuhren. Auch Gutscheine können eine wichtige Rolle spielen. In aktuellen Weihnachtsumfragen gehören sie regelmäßig zu den beliebtesten Geschenkformen.
Wenn Budgets stabil bleiben, aber Kunden preisbewusster agieren, gewinnt die Beratung an Bedeutung. Für Juweliere heißt das: nicht nur Produkte zeigen, sondern schnell Orientierung geben. „Geschenke unter 100 Euro“, „Geschenke bis 250 Euro“ oder „besondere Stücke bis 500 Euro“ können die Kaufentscheidung vereinfachen.
Gleichzeitig kann der stationäre Handel mit einem Vorteil punkten, den reine Onlineangebote nur begrenzt bieten: persönliche Beratung, sofortige Verfügbarkeit, Verpackung, Anpassung und emotionale Präsentation.
Das Weihnachtsgeschäft 2026 wird damit weniger zur Frage, ob Kunden Geld ausgeben, sondern wofür. Für Juweliere kommt es darauf an, die vorhandenen Budgets gezielt in Schmuck und Uhren zu übersetzen.


