Was soll eine Uhr heute können? Die Zeit anzeigen, zum persönlichen Stil passen oder beim Training unterstützen? Mit der am 9. September vorgestellten Apple Watch Series 12 baut Apple vor allem die Gesundheits- und Fitnessfunktionen aus. In Österreich startet sie bei 449 Euro. Sie ist bereits vorbestellbar und soll ab 18. September 2026 erhältlich sein.
DEN EIGENEN KÖRPER BESSER VERSTEHEN
Im Mittelpunkt steht ein überarbeitetes System zur Gesundheitserfassung. Laut Apple misst die Series 12 die Herzfrequenz im Hintergrund alle fünf Sekunden. Die Herzfrequenzvariabilität, die Hinweise auf Belastung und Erholung liefern kann, wird bis zu alle fünf Minuten erfasst. Dadurch sollen Veränderungen im Tagesverlauf besser sichtbar werden.
Besonders alltagsnah ist der neue Tagesformwert. Er kombiniert die zuletzt erfassten Aktivitäten, Vitalzeichen und Schlafqualität zu einer Einschätzung, die sich im Laufe des Tages aktualisiert. Die Idee dahinter: besser einschätzen können, ob heute ein intensiveres Training passt oder Erholung sinnvoller wäre. Der Wert soll Orientierung geben, nicht das eigene Körpergefühl ersetzen.
Dazu kommen bekannte Funktionen wie EKG-App, Schlafanalyse sowie Sturz- und Unfallerkennung. Auch kontaktloses Bezahlen mit Apple Pay gehört weiterhin zum Angebot. Bei allen Gesundheitsfunktionen gilt jedoch: Die Uhr kann Hinweise liefern, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose. Beschwerden sollten deshalb nicht allein anhand eines Wertes am Display beurteilt werden.
KÜNFTIG SOLL DIE UHR AUCH BEIM ERINNERN HELFEN
Mit den angekündigten KI-Funktionen will Apple den digitalen Begleiter am Handgelenk weiterentwickeln. Siri Recap soll Gespräche in kurzen Zusammenfassungen festhalten. Live Rewind soll nach einem doppelten Druck auf die digitale Krone die zuletzt gesprochenen 15 Sekunden als Text anzeigen. Das könnte etwa helfen, eine gerade genannte Empfehlung noch einmal nachzulesen.
Die neue Siri AI soll außerdem natürlichere Gespräche ermöglichen und persönliche Zusammenhänge stärker berücksichtigen. Damit geht es nicht mehr nur darum, Informationen abzurufen. Die Uhr soll im Alltag gezielter unterstützen.
IN ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND IST NICHT ALLES VERFÜGBAR
Für Käuferinnen und Käufer in Österreich und Deutschland ist eine Unterscheidung besonders wichtig: International angekündigt bedeutet nicht automatisch hierzulande verfügbar.
Siri Recap und Live Rewind sollen erst Ende 2026 als Beta-Version erscheinen, zunächst auf Englisch und ausdrücklich nicht zum Start in der EU. Auch Siri AI auf der Apple Watch wird anfangs nicht in der EU angeboten. Diese Einschränkungen betreffen somit auch Österreich und Deutschland.
Wer sich gerade wegen dieser Funktionen für die neue Uhr interessiert, sollte sie daher nicht als bereits nutzbaren Bestandteil des Kaufpreises betrachten. Maßgeblich ist, was mit dem eigenen iPhone, der gewünschten Sprache und am eigenen Standort tatsächlich funktioniert.
DATENSCHUTZ UND EU-REGELN: WAS DAHINTERSTECKT
Bei KI-Anwendungen, die persönliche Informationen und Gespräche verarbeiten, spielt der Schutz privater Daten eine wichtige Rolle. Apple begründet den verzögerten EU-Start von Siri AI mit Datenschutz- und Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Digital Markets Act, kurz DMA. Dabei geht es insbesondere darum, wie auch andere digitale Assistenten Zugriff auf Funktionen und Daten erhalten können, ohne die Sicherheit der Nutzer zu gefährden.
Die EU-Kommission widerspricht allerdings der Darstellung, ihre Regeln würden eine Einführung grundsätzlich verhindern. Sie fordert eine regelkonforme Umsetzung. Die Einschränkungen sind daher nicht einfach ein pauschales KI-Verbot durch die Datenschutz-Grundverordnung. Im konkreten Streit geht es um das Zusammenspiel von Wettbewerb, technischem Zugang und dem Schutz persönlicher Daten.
Für die angekündigten Gesprächsfunktionen verspricht Apple eigene Schutzmaßnahmen: Es sollen keine Audioaufnahmen angelegt oder gespeichert werden. Die zur Verarbeitung verwendeten Audiodaten werden laut Unternehmen anschließend gelöscht. Gespeicherte Zusammenfassungen und Textausschnitte sollen bei der Synchronisierung über iCloud Ende-zu-Ende-verschlüsselt sein. Diese technischen Zusagen ändern allerdings nichts an der zunächst eingeschränkten EU-Verfügbarkeit.

AUCH MATERIAL UND TRAGEGEFÜHL ZÄHLEN
Eine Uhr wird nicht nur wegen ihrer Funktionen getragen. Sie soll auch gefallen und angenehm am Handgelenk sitzen.
Die Series 12 ist in Aluminium, Titan und wieder mit Keramikgehäuse erhältlich. Aluminium- und Titanmodelle gibt es in 42 und 46 Millimetern. Die Keramikgehäuse fallen laut technischen Daten mit 43 beziehungsweise 47 Millimetern etwas größer aus. Verschiedene Gehäusefarben und Armbänder ermöglichen unterschiedliche Kombinationen.
Vor dem Kauf lohnt sich deshalb die Anprobe. Wie wirkt die größere Ausführung am eigenen Handgelenk? Sitzt das Armband auch bei Bewegung angenehm? Und passt die gewählte Kombination ebenso zum Büro wie zum Sport?
DER AKKU BLEIBT EIN THEMA
Bei normaler Nutzung nennt Apple eine Laufzeit von bis zu 24 Stunden. Regelmäßiges Laden gehört damit weiterhin dazu. Schneller geht es an der Ladestation: Laut Hersteller sollen 15 Minuten Ladezeit Energie für bis zu zwölf weitere Stunden normaler Nutzung liefern. Die tatsächliche Laufzeit hängt von der Verwendung ab.
Wer die Uhr tagsüber und zur Schlafaufzeichnung tragen möchte, sollte also einen passenden Ladezeitpunkt einplanen. Ein kurzer Ladestopp beim Duschen oder während des Frühstücks könnte beispielsweise besser in den Alltag passen als das Laden über Nacht.
PASST DIE SERIES 12 ZUM EIGENEN ALLTAG?
Voraussetzung ist ein kompatibles iPhone. Apple nennt ein iPhone 11 oder neuer, einschließlich iPhone SE ab der zweiten Generation, mit iOS 27 oder neuer. Für einzelne angekündigte KI-Funktionen gelten zusätzliche, strengere Geräteanforderungen.
Ob sich der Kauf lohnt, hängt deshalb weniger von der längsten Funktionsliste ab als von den eigenen Erwartungen. Wer Training, Schlaf und Erholung bewusster verfolgen möchte, sollte sich die neuen Möglichkeiten genauer ansehen. Wer mit seiner bisherigen Uhr zufrieden ist, muss dagegen nicht allein wegen einer neuen Modellnummer wechseln.
Gerade bei KI gilt: Eine Kaufentscheidung sollte auf den heute verfügbaren Funktionen beruhen, nicht ausschließlich auf angekündigten Möglichkeiten.
SMARTWATCH ODER KLASSISCHE UHR? KEIN ENTWEDER-ODER
Eine mechanische Uhr muss keine Gesundheitsdaten auswerten, um zu begeistern. Ihre Anziehungskraft kann in der Gestaltung, im Handwerk oder in einer persönlichen Erinnerung liegen. Vielleicht ist sie ein Geschenk, ein Begleiter zu besonderen Anlässen oder einfach ein Gegenstand, den man jeden Tag gerne trägt.
Eine Smartwatch erfüllt andere Wünsche. Beide können deshalb ihren Platz haben: die digitale Begleiterin beim Training und im Alltag, die klassische Uhr zum bewussten Genießen. Bei der Auswahl einer klassischen Uhr hilft die persönliche Beratung beim Juwelier dabei, Stil, Größe und Tragegefühl zusammenzubringen.
Die beste Uhr ist nicht automatisch jene, die am meisten kann. Sondern jene, die zum eigenen Leben passt.
Stand: 10. September 2026.
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